Pre-Mortem Analysis

Pre-Mortem Analysis

Normalerweise denken wir nach: Projekt gescheitert → Analyse → Lessons Learned. Doch die Pre-Mortem Analysis dreht den Spieß um. Sie fragt nicht "Warum ist es schiefgegangen?", sondern "Warum könnte es schiefgehen?" – und zwar bevor überhaupt etwas passiert ist.

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Pre-Mortem Analysis

Die Methode

Gary Klein, der renommierte Entscheidungsforscher, hat dieses Verfahren populär gemacht. Die Idee ist elegant:

Stell dir vor, dein Projekt ist gescheitert. Nicht irgendein ferner, unwahrscheinlicher Fehler – sondern ein vollständiger, dramatischer Zusammenbruch. Jetzt schreibe die Geschichte dieses Scheiterns. Was ist passiert? Welche Signale gab es? Wo haben wir die falsche Abfahrt genommen?

Das Besondere: Du schaust aus der Zukunft zurück in die Gegenwart. Das löst etwas im Gehirn, das rein zukunftsorientiertes Risikodenken nicht schafft.

Warum es funktioniert

Die meisten Teams planen optimistisch. Wir wollen, dass etwas gelingt – also sehen wir die Erfolgsfaktoren und übersehen die Stolpersteine. Dieses Phänomen heißt "Planning Fallacy": Wir unterschätzen systematisch Zeit, Kosten und Risiken.

Die Pre-Mortem-Analyse wirkt dem entgegen, indem sie:

  1. Psychologische Sicherheit schafft – Scheitern ist erlaubt, solange es fiktiv ist
  2. Blindspots aufdeckt –Teammitglieder äußern Bedenken, die sie im normalen Meeting nicht formulieren würden
  3. Kollektive Intelligenz aktiviert – Jeder denkt als Detective, nicht als Verkäufer

Praktische Durchführung

  1. Versammle dein Team
  2. Präsentiere das Vorhaben kurz
  3. Bitte alle, sich vorzustellen: "Es ist ein Jahr her. Das Projekt ist ein totaler Flop. Was ist passiert?"
  4. Sammelt alle Gründe, die genannt werden
  5. Ordnet sie nach Wahrscheinlichkeit und Schwere
  6. Entwickelt Gegenmaßnahmen für die kritischsten Risiken

Berühmtes Beispiel

Bevor Barack Obama 2008 sein Amt antrat, führte sein Übergangsteam genau diese Übung durch. Sie fragten: "Angenommen, wir sind gescheitert. Warum?" Das Ergebnis war eine Liste von Risiken, die sie sonst übersehen hätten – und die ihnen half, sich besser vorzubereiten.

Pre-Mortem vs. Post-Mortem

Pre-Mortem Post-Mortem
Vor dem Projekt Nach dem Projekt
Fiktives Scheitern Tatsächliches Scheitern
Präventiv Korrektiv
Kontrolliert Emotional belastet

Die Pre-Mortem ist kein Ersatz für das Post-Mortem – sie ist dessen prophetische Schwester. Zusammen bilden sie ein starkes Werkzeugpaar für kluge Entscheidungen.


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